Die Kesselausrüstung - BR64 - Die Baureihe 64

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Die Kesselausrüstung

Die Kipptür Bauart Marcotty besitzt Luftkanäle, die dauernd einen schwachen Luftstrom durch das Geschränk und hinter dem Feuerlochschoner hindurchtreten lassen, so daß er ebenso wie der Feuerlochring selbst gegen Strahlwärme geschützt und wirksam gekühlt wird.

Der Schornstein ist in die Rauchkammer 500 mm
tief eingelassen zur Erzielung einer guten Führungshöhe für den Gemischkegel aus Dampf und Rauchgas. Zur Verringerung der Gemischgeschwindigkeit ist der Schornstein mit weiter Öffnung ausgebildet, und das ebenfalls weite Blasrohr liegt tief in der Rauchkammer. Dadurch wird der Gegendruck in den Zylindern wirksam herabgesetzt.

Dicht unterhalb des Kopfes zweigt nach vorn das Abdampfrohr für die Beheizung des Vorwärmers ab. Die ganze Saugzuanlage ist so durchgebildet, daß die Anwendung brennstoffsparender niedriger Feuerschicht ohne jede Änderung möglich ist. Die Hauptabmessungen ergeben sich aus der nachfolgenden Zusammenstellung:

Blasrohrdurchmesser

106

mm

Schornsteindurchmesser an engster Stelle

370

mm

Schornsteindurchmesser an weitester Stelle

455

mm

Entfernung von Blasrohroberkante bis Kesselmitte  

526

mm

Blasrohroberkante bis Schornsteinoberkante

1991

mm

Schornsteinhöhe (vom engsten zum weitesten Querschnitt)

1062

mm

Schornsteinoberkante über S.O.

4165

mm

Der Funkenfänger ist in seinem oberen Teil zylindrisch, unten in dem das Blasrohr und den Bläser umfassenden Teil kegelförmig durchgebildet. Er ist zweiteilig nach den Seiten aufklappbar und leicht pendelnd am Schornstein aufgehängt. Durch das Pendeln während der Fahrt soll der Funkenfänger sich von Flugasche reinigen.

Zum Nässen der Flugasche ist im vorderen Teil der Rauchkammer ein Einspritzrohr quer angeordnet.

Im hinteren Dom des Langkessels ist ein Dampfregler der neuen Bauart Schmidt & Wagner untergebracht. Mittels großer Auft riebsflächen und feiner Drosselung durch einen Bund auf der Ventilstange ist erreicht, daß trotz des sehr geringen Druckabfalles in der 150 mm
lichten Dampfleitung zum Überhitzer der Regler einwandfrei arbeitet und leicht bedienbar ist. Das Reglerrohr endet in dem Naßdampfkästen in der Rauchkammer; von ihm aus strömt der Naßdampf in die einzelnen Überhitzereinheiten ab und sammelt sich wieder in dem getrennt angeordneten Heiß dampf kästen. Wechselweise greifen fingerförmig die Anschlußkanäle beider Kästen zwischeneinander mit nach unten gerichteten Öffnungen für die Überhitzereinheiten. Die Füße, zwischen denen die Befestigungsschrauben der Köpfe der Überhitzereinheiten sitzen, sind hinten fest, vorn gleitend miteinander verschraubt, so daß sie sich frei dehnen können. Die beiden Kästen zeigen gießtechnisch einfache Formen und haben den besonderen Vorteil, daß eine Rückkühlung des überhitzten Dampfes von der Trennwand der Naßdampfkammer aus nicht mehr stattfindet. Der Überhitzer selbst besteht aus 32 Einheiten von 23/29 mm Durchmesser und insgesamt 36,1 m² Heizfläche.

Die vier eine Einheit bildenden Rohre sind zu zwei Schlängen zusammengefaßt, von denen die erste aus der Naßdampfkammer kommende Schlange bis auf 500 mm
, die andere bis auf 350 mm nun an die Feuerbüchsrohrwand herangeführt ist. Das Umkehrende an der Rauchkammerrohrwand ist um 400 mm zurückgelegt, um in genügend Wärmegefälle bietender Rauchgaszone zu bleiben und an Gewicht zu sparen. Von dem Heißdampfkasten führen in je 350 mm Abstand von Kesselmitte nahe dem Scheitel beiderseits Dampfeinströmrohre von 120 mm Durchmesser nach den Zylindern.

Zur Speisung des Kessels dient eine Kolbenpumpe von 250 l/min
Fördermenge Bauart Nielebock-Knorr (Anm. d. Autors: Später wurden teilweise ab Werk auch KT 3-Pumpen mit 125 l/min verbaut!) in Verbindung mit einem Abdampfvorwärmer von 13 m² Heizfläche der Regelbauart. Die Pumpendruckleitung führt auf kürzestem Wege nach dem Umschalthahn des Vorwärmers. Von dem auf gleicher Lokomotivseite liegenden Austrittsstutzen führt die Druckleitung nach dem Kesselspeiseventil am vorderen Dom auf der linken Lokomotivseite. Die Abdampfleitung zum Vorwärmer verläuft innerhalb der Rauchkammer, vom Blasrohr aus sich der linken Rauchkammerseite anschmiegend. Der Abdampf der Speisepumpe und der Luftpumpe wird durch eine gemeinsame Leitung einem besonderen Stutzen auf der linken Vorwärmerseite zugeführt. Das Kondensat fließt im Gefälle durch einen Ölabscheider mit Filtertucheinlage dem rechten Wasserkasten zu. Bei Reglerschluß wird dem Vorwärmer selbsttätig durch eine abschaltbare Leitung soviel Frischdampf zugeführt, daß beim Weiterpumpen das in den Kessel gelangende Speisewasser immerhin auf 70 - 80°C erwärmt wird, so daß einerseits ein Kaltspeisen vermieden, andererseits die zum Ausscheiden der Kesselsteinbildner notwendige Temperatur nahezu erreicht wird. Der den Dampfzutritt regelnde Ventilkegel wird durch eine Spindel mit Drosselnuten geführt und kann sich unter dem Frischdampfdruck öffnen, sofern nicht der die Spindel in einem anschließenden Gehäuse unter Schieberkastendruck belastende Kolben den Abschluß des Ventils herbeiführt. Damit keine unzulässige Drucksteigerung im Vorwärmer eintritt, ist gleich hinter das Ventil eine Drossellinse eingeschaltet. Das im Ventilgehäuse sich bildende Kondenswasser wird über ein Entwässerungsventil abgeführt.

Durch die Kondensatverwertung
wird einerseits ein Teil der dem Kondensat innewohnenden Wärme nutzbar gemacht und andererseits der Wasservorrat der Maschine und damit der Fahrbereich um etwa ein Sechstel vergrößert. Als zweite Speisevorrichtung ist eine saugende Strahlpumpe von gleicher Leistung wie die Kolbenpumpe vorgesehen. Sie ist im Führerhaus gut bedienbar und frostfrei so gelegt, daß die Streckensicht nicht behindert wird.

Um die Verluste in den Pumpenleitungen möglichst herabzusetzen, sind die Saug- und Druckleitungen 50 mm
weit ausgeführt.

Die Druckleitungen führen zu dem auf dem vorderen Kesselschuß angeordneten Speisedom mit Schlammabscheider. Die Leitung der Kolbenpumpe mündet wie üblich in eine im Dom liegende Ringleitung mit zahlreichen Löchern, aus denen das Speisewasser schräg abwärts in den aus rostartig angeordneten Winkeleisen gebildeten Kesselsteinabscheider gespritzt wird. Die seltener gebrauchte Strahlpumpe ergießt ihr Wasser durch ein breites Froschmaulmundstück in den Schlammabscheider. Die Winkeleisen sind nach oben offen eingebaut; hierdurch kann das Wasser länger im Dampfraum des Kessels verbleiben und erwärmt sich dadurch schneller über die Ausfälltemperatur der Kesselsteinbildner hinaus. Trotz der geringen Abscheidungsflachen, die bei den beschränkten Raumverhältnissen untergebracht werden können, wurde so der Schlammabscheider möglichst wirksam gestaltet. Vom Winkelrost fließt das Wasser in seitlichen Blechtaschen dem Kesselbauch zu, wo sich der Schlamm in dem eigentlichen Schlammsammler absetzt, ohne durch Berührung mit den Heiz- und Rauchrohren Gelegenheit zum Festsetzen zu finden. Am Boden des geräumigen Behälters ist ein von außerhalb des Rahmens zu betätigender Abschlammschieber mit hydraulisch wirkender Kugelfüllung, Bauart Strube, angeordnet. Ein gleicher Schieber ist an der Stehkesselvorderwand an tiefster Stelle des Kessels dicht über dem Bodenring vorhanden. Mit beiden Vorrichtungen wird der lose Schlamm aus Lang- und Stehkessel abgelassen. Der Schlammsammler hat auf beiden Seiten kleine Waschluken, der Langkessel seitlich je eine große Luke zum Reinigen der Blechtaschen.

Für die mit Dampf betriebenen Hilfseinrichtungen der Lokomotive ist vor dem Führerhaus ein Dampfentnahmestutzen am Kessel vorgesehen, der den Dampf durch eine innerhalb des Kessels verlegte Rohrleitung aus dem Dampfdom entnimmt. Der Stutzen ist auf dem Kesselscheitel mit dem Durohführungsstutzen und Absperrventil angeordnet. Das Verteilstlick trägt die Anschlüsse für Strahlpumpe, Lichtmaschine, Dampfheizung und Heizung des Vorwärmers mit Frischdampf. Die Dampfentnähme zum Betrieb von Luft- und Speisepumpe erfolgt zu beiden Seiten des Reglerdomes.

Sämtliche Dampfleitungen sind möglichst kurz angeordnet und ebenso wie alle übrigen Heißwasserleitungen der Maschine mit Glasgespinst isoliert, das nach außen durch Blechüberzug gegen Beschädigung geschützt ist.

Auf der linken Lokomotivseite liegen in handlicher Höhe für den Heizer das neuartige Druckminderventil und darunter das den schlechtgangbaren Dreiwegehahn ersetzende Verteilventil für die Zugheizung. Die Dampfpfeife ist auf der rechten Seite des Reglerdomes angeordnet. Sie besitzt große Tonstärke und ist so weit nach vorn geschoben, daß die Schalldämpfung nach hinten durch das Führerhaus möglichst vermindert wird. Für Bahnhofsignale ist durch ein Hilfsventil dem vollen Ton ein Halbton vorgeschaltet. Außerdem ist hinter dem Schornstein ein Druckluftläutewerk der Bauart Knorr angeordnet.

Die Beobachtung des Wasserstandes im Kessel ermöglichen zwei Wasserstandsanzeiger, deren lange Gläser die ganze Dampfraumhöhe des Kessels sichtbar machen und deren obere Gehäuse zur Vermeidung trügerischer Anzeige nicht an die Kesselrückwand, sondern mit Bügelrohren an die Kesseldecke angeschlossen sind.

Die beiden Sicherheitsventile der Bauart Ackermann sind auf der Rückseite des hinteren Domes angeordnet. Die Ventile gestatten bei geringer Durchgangsweite und niedriger Bauhöhe eine feine Druckeinstellung und lassen dadurch Druckverluste vermeiden; sie sichern aber trotzdem die Einhaltung des Kesselhöchstdruckes bei voller Kesselanstrengung. Die Belastungsfeder liegt in einer Kammer, in der sich teilweise entspannter Dampf sammelt, der durch ein im Ruhezustand offenes Ventil abströmt. Ist beim Abblasen der Druck bis auf den vorgeschriebenen Kesseldruck gesunken, so kann man das durch dynamischen Dampfdruck behinderte sofortige Schließen des Ventils durch Anstauen eines Gegendruckes in der vorgenannten Kammer unter Schließung des kleinen Entlastungsventils erreichen. Außer dem Rüttelhebel zur Einleitung einer Bewegung des Ventils ist deshalb zusätzlich noch ein Betätigungszug für das Stauventil vorhanden.

Zur Reinigung des Kessels sind insgesamt 18 Waschluken
vorgesehen und zwar:

1 kleine Luke in der Rauchkammerrohrwand,
2 kleine Luken am Schlammsammler,
1 kleine Luke über dem Feuerloch in der Stehkesselrückwand,
4 kleine Luken im Umbug der Stehkesselrückwand,
4 kleine Luken im Umbug der Stehkesselvorderwand,
4 große Luken (Untersatz mit Deckel) im oberen Teil des Stehkesselmantels,
2 große Luken seitlich am vorderen Kesselschuß unterhalb des Speisedoms am Schlammsammler.

Ein Vierwegehahn Bauart Dilling mit 13 mm
Durchgang gestattet die wahlweise Betätigung der Rauchkammerspritze, der Aschkastenspritze und der Kohlenspritze. Der Hahn ist unter Zwischenschaltung eines Doppelrückschlagventils sowohl an die Druckleitung der Strahlpumpe, als auch an die der Kolbenpumpe angeschlossen.

Der Hilfsbläser besteht aus dem Ringrohr mit kleinen Löchern,, das um die Blasrohrmündung herumgelegt ist, und dem Dampfabsperrventil. Um das Anheizen des kalten Kessels beschleunigt durchführen zu können, ist eine abschließbare Verbindung zwischen Bläserleitung und Dampfheizleitung vorgesehen, durch die von einer unter Druck stehenden Lokomotive Dampf entnommen wird.

 
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